Corinna Rose im Interview

Beitrag von MÖBELMEILE

Ordnung. Seit Marie Kondo ist das Thema in aller Munde. Erst recht in Corona-Zeiten, in denen allerorts ausgemistet, aufgeräumt, Platz geschaffen wird. Wenn man gerade in den Metropolen durch die Straßen geht, sieht man vor jeder zweiten Haustür Kisten mit Büchern, Gläsern und Kram „zum Mitnehmen“. Auf einmal haben wir Zeit, Ordnung zu schaffen. Aber warum brauchen wir Ordnung überhaupt? Was ist Ordnung? Schafft eine ordentliche Wohnung einen aufgeräumten Geist? Solche und andere Fragen haben wir mit KonMari® Consultant und Ordnungscoach Corinna Rose diskutiert.
 

Corinna Rose – Die Ordnungsspezialistin

Für die studierte Bibliothekarin waren Ordnung und Strukturen schon immer sehr wichtig. So wichtig, dass sie sich neben der Arbeit stark mit dem Thema beschäftigte und nach der Lektüre der Bücher von Karen Kingston („Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“) oder Marie Kondo („Magic Cleaning“) schließlich eine Entscheidung fällte: Seit Sommer 2018 arbeitet sie selbstständig als Aufräumberaterin und Ordnungscoach. Seit Juli 2019 ist sie Certified KonMari® Consultant (zertifizierte Beraterin) für die Aufräummethode von Marie Kondo. Ihr eigenes Zuhause ist eine Mischung aus der Marie Kondo Methode und Minimalismus. Dinge, die bleiben dürfen, müssen das „Was macht mir Freude?“-Kriterium erfüllen.

Zuhause ist ein Ort, aber auch ein Wort und ein Gefühl. Jeder versteht etwas anderes darunter. Was ist es für Sie?
Für mich ist Zuhause der Ort, an dem ich mich geborgen fühle und an dem ich ich selbst sein kann. Dort finde ich Ruhe und kann Kraft und Energie tanken für den Alltag. Zuhause ist dort, wo ich mit meinem Mann zusammenlebe, mein Heimathafen. Es ist der Ort, an dem die Menschen sind, die mir wichtig sind, die Dinge, die mir etwas bedeuten. Zuhause ist also mehr als die reine Wohnung. Ich bin in meinem Leben einige Male umgezogen. Und habe festgestellt, dass man sich das Zuhause immer wieder neu erschaffen kann. In meinem Fall ist jetzt Berlin seit über 10 Jahren mein Zuhause.

Sie arbeiten in Berlin als Ordnungsexpertin. Welche Rolle spielt Ordnung für das Thema Zuhause?
Eine wichtige! Ordnung trägt zum Wohlbefinden bei. Unordnung wiederum stört das Wohlbefinden und kann sogar gesundheitliche Folgen haben: Es ist nachgewiesen, dass Unordnung Stress verursacht. Dass in unordentlichen Umgebungen Stresshormone ausgeschüttet werden, liegt an der Struktur unseres Gehirns. Es ist darauf ausgerichtet, die Umgebung wahrzunehmen und zu scannen. Je mehr Unordnung dort herrscht, desto stärker ist unser Gehirn beschäftigt. Die Folge ist, dass wir uns nicht mehr auf das konzentrieren können, was wir eigentlich tun wollen. Durch Ordnung spart man Zeit. Statt zu suchen, findet man. Der Alltag wird vereinfacht, wenn man sich auf das fokussiert, was man wirklich in seinem Leben, seinem Zuhause haben möchte.

Schafft eine aufgeräumte Wohnung also einen aufgeräumten Geist?
Das eine bedingt auf jeden Fall das andere. Das Äußere bestimmt die innere Ordnung. Wenn wir einmal anfangen, uns Gedanken über Ordnung zu machen, kommen viele Prozesse in Gang. Das geht dann oftmals weit über das Zuhause hinaus. Man beginnt seine komplette Lebenssituation zu hinterfragen: Ist das die richtige Stadt, der richtige Arbeitsplatz? Lebe ich das Leben, das ich leben will? Wenn man diese Fragen für sich geklärt hat, wird man sicherlich aufgeräumter.

Ist das der Beweggrund für Kunden, Ihre Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen?
Zu mir kommen Menschen, die einen gewissen Leidensdruck verspüren. Die sich nicht mehr wohl fühlen in ihrem Zuhause, die sich erdrückt und erschlagen fühlen. Die meisten wollen mehr Leichtigkeit und Reduktion. So ähnlich sich die meisten in ihren Beweggründen sind, so sehr unterscheiden sich die Typen. Ob Singles, Familien, Senioren – das Thema Ordnung treibt alle Bevölkerungsschichten um.

Welche Rolle spielen Möbel in diesem Zusammenhang?
Möbel unterstreichen den Lebensstil, den wir uns für unser Zuhause wünschen. Bevor man das Thema Ordnung angeht, muss man sich erst einmal klarmachen, wie das Zuhause aussehen soll. Da geht es um das Thema Ästhetik. Möbel helfen da einerseits, das optisch gewünschte Ergebnis zu erzielen. Andererseits hilft ihre Funktionalität dabei, Ordnung zu erreichen und den Alltag zu vereinfachen. Welche und wie viele Möbel benötigt werden, hängt dann wieder vom Typ ab: Minimalisten brauchen weniger als Sammler.

Apropos: Gibt es zwischen dem Trend zum Minimalismus und dem Thema Ordnung eine Verbindung?
Durchaus! Das ist ein Gesamtpaket. Seit einigen Jahren ist „Weniger ist mehr“ ein wichtiges Thema, das auch mit Nachhaltigkeit Hand in Hand geht. Wenn man sich auf seine Bedürfnisse fokussiert und nur noch das kauft, was man wirklich benötigt, schlägt man auch einen Bogen zu Fridays for Future und ähnlichen Bewegungen. Das gehört für mich alles zusammen. Und hier kommt dann auch die Ordnung ins Spiel: Wer eine minimalistische Einrichtung wünscht, aber sehr viele Dinge besitzt, hat ein Problem. 10.000 Sachen und nur ein Regal – das passt nicht zusammen. Man muss also loslassen und sich überlegen, was zu dem minimalistischen Lebensstil passt.